Historie, Handwerk und Herzblut im Thüringer Wald
Böhlen
Ein Ort mit Geschichte und Naturreichtum
Böhlen ist ein idyllisch gelegener Ortsteil der Landgemeinde „Stadt Großbreitenbach“ im südöstlichen Ilm-Kreis. Das Dorf liegt eingebettet in die typische Mittelgebirgslandschaft des Thüringer Waldes und wird von Wiesen, landwirtschaftlichen Flächen und großen Waldgebieten umgeben.
Erstmals urkundlich erwähnt wurde Böhlen im Jahr 1416. In früheren Jahrhunderten prägte vor allem der Bergbau die Entwicklung des Ortes. In der Umgebung wurden Gold, Silber, Kupfer, Wismut und Blei abgebaut und brachten zeitweise bescheidenen Wohlstand in die Region.
Mit rund 290 Hektar Gemeindewald gehört Böhlen bis heute zu den waldreichsten Orten der Umgebung. Die nachhaltige Bewirtschaftung des Waldes ist deshalb eine wichtige Aufgabe für die Gemeinde.
Vom Bergbau zur Holzindustrie
Mit Beginn der Industrialisierung entwickelte sich Böhlen zu einem bedeutenden Standort der Holzverarbeitung. 1858 wurde hier das erste Sperrholzwerk Deutschlands gegründet, das über viele Jahrzehnte die wirtschaftliche Entwicklung des Ortes prägte.
Auch die Thermometerherstellung, die oft in Heimarbeit erfolgte, gehörte lange Zeit zum Alltag vieler Böhlener Familien. Die ehemaligen Fabrikgebäude wurden später kulturell genutzt. Von 1992 bis 2021 war Böhlen Standort der Thüringischen Sommerakademie, eines überregional bekannten Zentrums für Kunst, Musik und kreative Workshops.
Ein besonderes Kapitel der Ortsgeschichte ist die Auswanderung zahlreicher Böhlener Familien nach Brasilien im Jahr 1852. Aus wirtschaftlicher Not verließen damals über 150 Einwohner ihre Heimat und arbeiteten zunächst als sogenannte „Kaffeepflücker“ auf Kaffeeplantagen. Bemerkenswert ist, dass ihre Nachfahren bis heute den Böhlener Dialekt sprechen, obwohl lange Zeit niemand mehr wusste, aus welchem Ort ihre Vorfahren ursprünglich stammten. Erst durch die Forschungen der beiden Böhlener Heimatforscher Dieter Lange und Hans-Günter Schneider zwischen 1997-2002 konnte diese Verbindung zwischen Böhlen und den deutschen Siedlern in Brasilien wieder eindeutig hergestellt werden.
Handwerk und Tradition
Eine besondere Attraktion des Ortes ist die Glasvogelwelt von Mundglasbläser Mike Grossmann. In seiner Schauwerkstatt entstehen aus glühendem Glas filigrane Vögel und kunstvolle Figuren.
Besucher können dem Glasbläser bei seiner Arbeit über die Schulter schauen und erleben, wie aus flüssigem Glas mit viel Geschick kleine Kunstwerke entstehen. Die Glasvogelwelt verbindet traditionelle Handwerkskunst mit einem besonderen Erlebnis für Gäste.
Gemeinschaft und Vereinsleben
Das gesellschaftliche Leben in Böhlen wird von einer lebendigen Dorfgemeinschaft geprägt. Zahlreiche Vereine engagieren sich für Kultur, Sport und Tradition. Traditionelle Veranstaltungen wie die Bell’re Kärmse und der Böhlener Carneval gehören fest zum Jahreslauf im Dorf.
Ein Dorf mit Charakter
Die liebevoll gepflegten Häuser, blumengeschmückten Vorgärten und die Brunnenanlage im Ortszentrum prägen das Ortsbild. Für dieses Engagement wurde Böhlen 1999 als „Schönstes Dorf im Ilm-Kreis“ ausgezeichnet.
Ein wichtiger Treffpunkt des Ortes ist die Kirche St. Anna, die nicht nur als Gotteshaus, sondern auch als kulturelle Begegnungsstätte dient.
Die „Bellre Fossbsche“
Wie viele Orte im Thüringer Wald besitzt auch Böhlen einen traditionellen Spitznamen. Die Einwohner werden bis heute liebevoll „Bellre Fossbsche“ genannt – ein Name, der seit Generationen zum Dorf gehört und mit einem Augenzwinkern gepflegt wird.
Kurzübersicht
- Höhenlage: 610 m ü. NN
- Landkreis: Ilm-Kreis
- Struktur: Ortsteil der LG Stadt Großbreitenbach (seit 2019)
- Einwohnerzahl: 542 Pers. (2017)
- (Ortschafts)bürgermeister*in: Marco Grundler (seit 2019)
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