Der Schützenhofgarten in Großbreitenbach
Historische Bedeutung des Schützenhofes
Der Schützenhof in Großbreitenbach – ursprünglich „Schießhaus“ genannt – war über Jahrhunderte ein kulturelles und politisches Zentrum der Region. Bereits 1603 wurde in Breitenbach eine Schützenkompanie gegründet. 1650 taucht erstmals der Name „Schießhaus“ in den Akten auf.
Am 17. September 1848 fand im Garten und Umfeld des Schießhauses der 5. Thüringer Volkstag unter dem Motto „Volkstage sind Hochwachten der Freiheit“ statt. Hauptredner war Hermann Alexander von Berlepsch aus Erfurt, der eine thüringische Republik als Bestandteil einer deutschen Republik forderte. Mehr als 15.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 70 Orten waren vor Ort – es war der bedeutendste der Thüringer Volkstage und gilt als Meilenstein der demokratischen Bewegung von 1848.
1860 brannte das alte Schießhaus nieder, wurde aber als Gast- und Logierhaus Schützenhof wieder aufgebaut. Mit Saal, Bühne, Fremdenzimmern und einer Gaststätte entwickelte sich der Schützenhof zu einem gesellschaftlichen Mittelpunkt der Stadt.
Der Schützenhof im 20. Jahrhundert
Nach 1950 fanden fast alle wichtigen politischen und kulturellen Veranstaltungen im Schützenhof statt, der ab 1960 als „Kulturhaus der Glaswerker“ bekannt war. Hier trafen sich Schulen, Vereine, Jugendweihen, Tanzveranstaltungen und Karneval. Auch bekannte Musiker wie Herbert Roth traten hier auf.
Zur politischen Wende 1990 tagte der „Runde Tisch“ der Stadt im großen Saal, ebenso die Stadtratssitzungen und die Bürgermeisterwahl. Am 7. Dezember 1993 fand hier auch die Gründungsversammlung der Verwaltungsgemeinschaft Großbreitenbach statt.
Der Wandel des Schützenhofes
Ab den 1980er Jahren wurde das Gebäude zunehmend baufällig. 1999 musste der Schützenhof endgültig schließen, in den 2000er Jahren wurde er entkernt. Schließlich erfolgte 2016 der Abriss, da das Gebäude vom Einsturz bedroht war.
Der Schützenhofgarten heute
An der Stelle des ehemaligen Kulturhauses befindet sich heute ein kleiner Park, der die Erinnerung an die Geschichte wachhält. Darin befinden sich zwei Denkmalelemente:
- Die Holzskulptur des „Wilden Mannes“ – Wahrzeichen von Großbreitenbach, wie im Stadtwappen dargestellt.
- Der Gedenkstein zum 5. Thüringer Volkstag – er erinnert am Originalschauplatz an die demokratischen Aufbrüche von 1848.
Seit 2013 ist dieser Gedenkstein zudem eine von 20 Stationen der „Thüringer Straße der Menschenrechte und Demokratie“. Die Auszeichnung erfolgte im Rahmen des 20. Jubiläums der Thüringer Verfassung durch Justizminister Holger Poppenhäger und den Präsidenten des Thüringer Verfassungsgerichtshofs Joachim Lindner. Damit wurde die historische Rolle Großbreitenbachs in der Demokratiegeschichte gewürdigt und sichtbar gemacht.
Autorentipp
- Ergänzende Informationen Amtsblatt Teil 1 und Amtsblatt Teil 2







